Detektivausbildung – wie läuft die Ausbildung zum Privatdetektiv ab?

In der zweiten Folge unseres Detektei Lentz Podcast geht es um das Thema Detektivausbildung. Meine Gesprächspartnerin Shannon Schreuder und ich befassen uns diesmal mit unter anderem diesen Fragen: Gibt es eine Ausbildung zum Privatdetektiv? Wie kann man Detektiv werden? Was wird vom Bewerber für eine Privatdetektiv-Ausbildung erwartet, was sind die Voraussetzungen, die ein Detektiv mitbringen muss? Wie läuft die Ausbildung ab und was lerne ich da? Diese und viele andere Fragen beantworten wir in knapp 12 Minuten.

Transkript

Marcus Lentz: Ja, hallo, herzlich willkommen zum zweiten Podcast des Detektiv-Podcast der Detektei Lentz. Mit mir heute ist wieder die Shannon da, die ist ja seit zehn Jahren geprüfte Privatermittlerin und arbeitet in diesem Job. Heute soll es um das Thema Detektivausbildung gehen. Sprich, wie läuft die Ausbildung ab, wie ist das Ganze organisiert? Was kommt auf den Bewerber nach der Einstellung zu, wenn er in unserem Team ist? Und was muss er alles lernen im Laufe dieser knapp zweijährigen Ausbildung, wie ist die Prüfung gestaltet? Wir wollen euch einfach mal so ein kleines bisschen informieren, dass ihr für euch selbst mal entscheiden könnt, könnte das ein Beruf für mich sein? Hallo, Shannon. #00:00:44-4#

Shannon Schreuder: Hallo, ich freue mich auch, bei der zweiten Runde dabei zu sein. Und, ja, würde euch einfachen gern so einen kleinen Einblick verschaffen, wie die Ausbildung bei uns so abläuft beziehungsweise was für Voraussetzungen es gibt und was man dafür tun muss. #00:00:57-7#

Marcus Lentz: Generell gilt, jeder Bewerber muss mindestens 18 Jahre alt sein. Sprich, mit anderen Worten, minderjährige Bewerber gehen überhaupt nicht! Aus einem ganz einfachen Grund, die Arbeitszeit eines Detektivs sind mit dem Jugendarbeitsschutzgesetz absolut nicht vereinbar und einen Führerschein und Fahrpraxis braucht derjenige auch. Speziell in unserer Detektei bevorzugen wir Bewerber generell so ab 21 Jahre. Hintergrund ist ganz einfach der, derjenige sollte charakterlich schon etwas gefestigt sein und sollte auch schon mal zwei, drei Jahre Fahrerfahrung haben. Weil, ein Detektiv fährt bei uns im Durchschnitt 30.000 bis 40.000 Kilometer im Jahr Auto und das ist nichts für einen Fahranfänger. Aber jetzt lassen wir mal die Shannon zu Wort kommen, erzähl uns doch mal, wie es nach der Einstellung mit der Ausbildung und mit dem Job losgeht. #00:01:53-1#

Shannon Schreuder: Genau. Also, bei uns ist es grundsätzlich so, wenn die Ausbildung beginnt, ist es so gesehen wie, ich sage mal, der ganz normale Job, der beginnt. Man arbeitet tagtäglich in dem Detektivjob und macht Observationen, Ermittlungen, arbeitet also ganz regulär mit. Zusätzlich gibt es dann aber natürlich auch einen gewissen Part, den man lernen muss. Neben dem Learning by Doing, was man generell im Außendienst mitkriegt, in der Praxis, gibt es da auch noch die Theorie. Das heißt, wir haben ein Fernstudium, das läuft über die ZAD, die sitzt in Berlin. Da gibt es dann monatlich ein bis zwei Lehrbriefe, die man zugeschickt bekommt, die man sich dann auch gut durchlesen sollte. Und dann, am Ende jeden Lehrbriefs gibt es ein paar Fragen dazu, um zu gucken, ob man den Inhalt verstanden hat. Das sind verschiedene Themengebiete. Das kann sein, ich sage mal, Psychologie ist ein sehr wichtiger Part. Man muss ja auch wissen, wie man auf Zielpersonen reagieren muss, wie man sie einschätzen muss. Recht ist vielleicht ganz, ganz wichtig. Ihr solltet immer wissen, wo kann ich mich als Detektiv bewegen, in welchen Bereichen, wo sollte ich mich eher nicht bewegen? Was ist vielleicht auch rechtlich für unseren Auftraggeber wichtig, um es auch so ein bisschen auf den Einsatz einzuschätzen, auf die Aktivitäten. Was davon ist wichtig, was sollte ich davon dokumentieren, was ist vielleicht eher nicht auftragsrelevant? Und natürlich Observationstaktik, Ermittlungstaktik, solche Sachen, das sind so die Schwerpunkte, die einem in der ZAD-Ausbildung beigebracht werden. Und dann gibt es da natürlich am Ende ein Seminar mit einer Abschlussprüfung und auch zwischendrin ist nochmal ein viertägiges Seminar geplant, wo man einfach von erfahrenen Detektiven und jahrelangen Fachmännern auch einfach viele wichtige Punkte beigebracht bekommt zum Thema Observation, zum Thema technische Mittel. Kameras, Funkgeräte, alles, was so wichtig sein könnte. #00:03:41-3#

Marcus Lentz: Okay, jetzt haben wir so ein kleines bisschen die Theorie und das sind einzelne Lehrbriefe und da muss man dann wirklich Hausaufgaben machen, so wie ihr das alle aus der Schule kennt. Weil, da sind Fragen drin, die müssen beantwortet werden und man bekommt dann auch regelmäßig Noten da drauf. Dann gibt es noch eine Abschlussprüfung. Und die hat es so ein bisschen in sich, weil, geschenkt bekommt ihr den Abschluss nicht. Aber dazu kann euch Shannon auch noch was erzählen. #00:04:10-6#

Shannon Schreuder: Ja, die Abschlussprüfung ist natürlich definitiv nicht geschenkt, weil auch hier, es ist eine Prüfung und es ist ein Job, in dem man dann arbeitet. Und da sollte geprüft werden oder sollte sichergestellt werden, dass ihr das, was ihr da macht, auch in gewisser Art und Weise beherrscht. Ich meine, natürlich lernt man jeden Tag noch Weiteres dazu, auch nach der Ausbildung. Es gibt da keinen, der komplett perfekt ist in dem, was er macht, sondern, es gibt immer wieder neue Situationen, mit denen man konfrontiert wird, aus denen man auch wieder lernt. Aber, die Prüfung sollte auch nicht zu große Angst machen. Sie besteht im Endeffekt aus drei Teilen. Das heißt, ein Praxisteil, der wird aussehen wie eine Observationsübung. Das heißt, es gibt eine Zielperson, die verfolgt werden muss mit einem gewissen Ziel. Dann gibt es eine schriftliche Prüfung. Das sind aber auch Fragen, die ihr den Fragebögen vorher oder in den Lehrbögen vorher behandelt habt. Also auch nichts komplett Neues, was da auf euch zukommt. Und dann gibt es noch eine mündliche Prüfung, um einfach auch so, werden ein paar, ich sage mal, auch rechtliche Sachen abgefragt und geguckt, ob ihr das so aus dem Kopf auch ein bisschen beantworten könnt, damit ihr auch wirklich sicher seid bei dem, was ihr da macht. Das ist der grundsätzliche Ablauf. Die Durchfallquote ist nicht so hoch, da muss man sich wirklich keine Sorgen machen, aber man sollte es natürlich trotzdem ernst nehmen. Und ich sage mal, wenn man die Vorbereitung hat, das heißt, monatlich, da regelmäßig seine Lehrbriefe macht und vielleicht circa drei bis vier Stunden in der Woche einfach mal investiert, um das mitzuarbeiten beziehungsweise sich einfach alles anzugucken, genau durchzulesen, dann ist das überhaupt kein Problem. #00:05:41-9#

Marcus Lentz: Jetzt hatten wir ja im letzten Podcast schon so ein kleines bisschen den Arbeitsalltag eines Detektivs skizziert, sprich, von früh morgens bis teilweise relativ spät abends. Und jetzt hast du grade was erzählt zum Thema Hausaufgaben, Lehrbriefe, Recht und Psychologie. Wie viel Zeit hat du denn pro Woche die zwei jahrelang investieren müssen, zusätzlich zur dem stressigen Berufsleben, um die Prüfung zu bestehen? #00:06:11-5#

Shannon Schreuder: Naja, also ich sage mal, es gab natürlich auch bei mir Wochen, wo ich vielleicht teilweise nur eine halbe Stunde oder auch mal nichts gemacht habe, musste dann dafür aber in der anderen Woche dann doch eher schon, ich sage mal, Richtung sechs, sieben Stunden investieren. Wenn man sich regelmäßig einfach zwei, drei, vier Stunden in der Woche nimmt, um sich da hinzusetzen und das zu machen, dann ist man da auf einem guten Weg. Weil, das Problem ist natürlich, je länger ihr es schleifen lasst, desto eher müsst ihr es dann wieder nacharbeiten. Aber wenn man das die Regelmäßigkeit gefunden hat und einfach so eine gewisse Eigendisziplin, dann funktioniert das auch. #00:06:44-7#

Marcus Lentz: Okay. Und wie genau läuft die Prüfung ab? Wo findet die statt, wie muss sich der branchenfremde Bewerber das vorstellen? #00:06:53-4#

Shannon Schreuder: Also die Prüfung findet regulär bei der ZAD statt in Berlin direkt. Das heißt, es ist ein viertägiges Seminar, die ersten drei Tage, oder ich sage mal, auf jeden Fall die ersten zwei Tage, werden einfach nochmal wichtige grundlegende Dinge besprochen. Es gibt nochmal verschiedene Dozenten, die euch Sachen beibringen, bestimmte Sachen erzählen. Dann gibt es nochmal eine Art Prüfungsvorbereitung, wo halt speziell nochmal darauf eingegangen wird, was in der schriftlichen Prüfung vorkommen kann. Ja und dann gibt es den Prüfungsteil selber mit der Praxis, mit der Theorie, also mit der schriftlichen Prüfung und dem mündlichen Teil. Und nach dem, ich sage mal, das ist dann meistens gegen frühen Nachmittag, sind dann eigentlich alle durch mit der Prüfung und dann kann man nochmal gemütlich zusammensitzen, nochmal alles Revue passieren lassen. Wenn man bestanden hat, kriegt man natürlich sein Zertifikat über die ZAD. Aber, das ist ja noch nicht alles. Sondern das, was wir ja uns wünschen, ist ja zum einen ein ZAD-geprüfter Privatermittler, aber auch IHK. Das heißt, da gibt es ein Zertifikat, was ihr von der IHK kriegt, um das Ganze nochmal zu bestätigen. Das ist aber in der ZAD-Prüfung nicht mit drin, sondern da kriegt ihr dann ein paar Wochen vor der Abschlussprüfung eine These zur Verfügung gestellt, zu der ihr euch äußern müsst. Das heißt, in fachlicher Hinsicht, in rechtlicher Hinsicht und natürlich auch eure persönliche Meinung dann zu dieser These nochmal abgeben müsst. Und wenn ihr die Arbeit abgegeben habt, die IHK sie anerkennt, dann kriegt ihr auch da euer Zertifikat. #00:08:26-2#

Marcus Lentz: Und für alle, die nicht wissen, was eine These ist, sei gesagt, das ist im Prinzip eine Behauptung, die ihr aus rechtlicher, aus detektivischer Sicht bearbeiten müsst. Ihr müsst die analysieren und das Ganze auf universitärem Niveau. Das bedeutet, so eine Thesenarbeit hat am Schluss acht bis zwölf DIN-A4-Seiten in normaler Schriftgröße und da muss ganz einfach ausgearbeitet werden, ist diese These, also die Behauptung zutreffend, kann man die so stehenlassen? Wenn ja, warum und wenn nein, warum nicht? Und das Ganze muss dann detektivisch und juristisch ausgearbeitet werden, sodass der Prüfungsausschuss der IHK davon überzeugt ist, dass ihr in den zwei Jahren auch wirklich was gelernt habt. #00:09:10-6#

Shannon Schreuder: Jetzt lasst euch davon bitte keine Angst machen, das klang jetzt sehr nach Hochschulniveau. Man muss natürlich, ich sage mal, eine gewisse, ja, gewisse Kenntnis beziehungsweise ein gewisses Wissen muss natürlich da sein, aber auch das ist kein Hexenwerk. Also wir haben viele Detektive, die haben das alle geschafft und ich sage, selbst wenn es vielleicht beim ersten Mal nicht funktionieren sollte, kann man das natürlich nacharbeiten. Also einmal durchfallen, da ist noch nicht alles verloren. Lasst euch da bitte keine Angst machen, sondern das ist für jeden eigentlich machbar. #00:09:46-9#

Marcus Lentz: Ja und dann, wenn ihr das geschafft habt, wovon ich einfach mal ausgehe, weil, ihr habt ja auch zwei Jahre Zeit, euch darauf vorzubereiten, dann seid ihr am Schluss ZAD-geprüfter Privatermittler IHK beziehungsweise Privatermittlerin IHK und dann könnt ihr in den Beruf starten. Der Beruf ist aber nach der Ausbildung definitiv nichts für jemanden, der jeden Abend Zuhause sein will und auch definitiv nichts für jemanden, der glaubt, er hätte einen nine-to-five-Job. Weil dann, nach der Ausbildung geht es einfach erst richtig los, auch mit Auslandsaufträgen. Und wo warst du denn schon überall, Shannon? #00:10:23-6#

Shannon Schreuder: Ich war tatsächlich schon in vielen Ländern beziehungsweise auf vielen Kontinenten. Ich hatte schon Aufträge in New York City, ich war mehrfach in Spanien, selbst auf Mallorca natürlich. Wir hatten Aufträge in der Ukraine, wir waren in Frankreich, wir hatten Aufträge in Belgien, Irland. Also man kommt wirklich weit, weit rum mit dem Job. Aber, ich würde sagen, zum Thema Detektivalltag, erzählen wir euch einfach beim nächsten Mal ein bisschen was und erklären euch einfach, wie sieht so ein typischer Tagesablauf aus. Das heißt, wenn euch das jetzt interessiert und ihr sagt: „Hm, vielleicht ist das doch was, wo ich reinschnuppern möchte oder was ich mir angucken möchte“, informiert euch. Wir freuen uns natürlich immer über Bewerbungen und sind offen für jeden, der sich hier bewirbt. #00:11:08-2#

Marcus Lentz: Genau. Unsere Stellen findet ihr im Internet auf unserer Homepage unter www.lentz.de/jobs. Allgemeine Informationen über die ZAD findet ihr im Internet. Und wer weiß, vielleicht lernen wir uns bald kennen. Tschüss. #00:11:24-7#

Shannon Schreuder: Tschüss. #00:11:26-7#